Hallo,
bei dem abgebildelen Fahrzeug handelt es sich wahrscheinlich um den letzten Überlebenden seiner Art. Auch wenn er nicht so aussieht ist es aus kultur-historischer Sicht blankes Gold.
Kurz zur Geschichte: 1950 kaufte die Wismut 30 sogenannte Crossley-Züge von der holländischen Eisenbahngesellschaft. Diese hatte 1945, 250 Stück bei DAF in Auftrag gegeben, um den durch ein verherendes Hochwasser verursachten Schienenersatzverkehr abdecken zu können. Bereits Ende 1950 wurden diese Fahrzeuge nicht mehr benötigt und wurden in alle Himmelsrichtungen verkauft. Wie erwähnt wurden dabei 30 Stück von der Wismut erworben. Bereits 1955 sonderte auch die Wismut aus und so kamen 6 Züge nach Dresden zu den Dresdner Verkehrsbetrieben. Dort erfolgte eine Grundinstandsetzung und über die Jahre wurden die originalen DAF Zugmaschinen ausgesondert,da man keine originalen Ersatzteile mehr bekam. 1965 war dann aber Schluß, man konnte die Züge nicht mehr instandsetzen und stellte sie auser Dienst. Die restlich verbliebenen Züge bei der Wismut hatten ebenfalls Ersatzteilprobleme, hier half man sich anders, man liebäugelte mit H6-Zugmaschinen als Ersatz für die DAF-Zugmaschinen. Das Problem war aber die höhere Sattelkupplung des Werdauer´s. Ergebniss war, das die Auflieger bis zur Plattform abgefrackt wurden und einen völlig neuen Aufbau bekamen, der an die H6-Z angepast war. Trotz völligen Umbaus haben diese Züge immer noch die Bezeichnung "Crossley-Züge" erhalten.
Ende der 1960íger Jahre kam aber dann das entgültige Aus für die Personenzüge bei der Wismut. Aber wie ein Wunder wurden nochmals 4 Fahrzeuge für ein weiteres Leben umgebaut. Für den Bau des Chemiekombinates "Schwarze Pumpe" wurden diese Auflieger zum Gefangenentransporter umgebaut. Die Häftlinge wurden so aus den Gefängnissen (u.a. aus dem Gelben Elend in Bautzen) zu den Arbeitsstätten transportiert.
Der oben gezeigte H6 ist einer von diesen 4 Exemplaren, der diese Zeit überlebt hat. Er hat nach Fertigstellung des Chemiewerkes bis zuletzt Häftlinge von Bautzen nach Bischofswerda in die Fortschrittwerke und zurück gebracht. Was aus den anderen H6-Zügen geworden ist, ist nicht bekannt. Fest steht das im Zuge des Umbaus der Züge von DAF auf H6 einige Eigenheiten auch an den Werdauer Zugmaschienen vorgenommen wurde. So haben z.B. nur diese "Crossley"-Zugmachinen 3 Heckfenster zur besseren Sicht nach hinten in den Auflieger bekommen. Weiterhin sind sie auf der Hinterachse mit 10.00x20 und auf der Vorderachse 12.00x20 bereift, die hinteren Kotflügel bestehen aus GFK.
Im Großen und Ganzen ist dieser Zug es Wert restauriert zu werden, denn er hat Geschichte geschrieben und es ist einer der ganz wenigen Fahrzeuge, die nicht dem Schneidbrenner der Wismut zum Opfer gefallen sind.
Vielleicht können wir in ein paar Jahren als Fahrgast in diesem Auflieger mitfahren, denn wenn er restauriert wird, wird es wohl wieder ein normaler Bus-auflieger ohne Gefangenenumbau.
MfG Jens