Die Story L 60 aus Ludwigsfelde

dutrajens

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Hallo,

als erstes weiß ich eigentlich gar nicht recht, wo ich den folgenden Artikel so richtig einstellen soll. In Bilder paßt er eigentlich nicht rein und bei Ausstellungen ist er auch fehl am Platz, also versuche ich es einmal hier im Kaffeklatsch.

Der Besuch auf dem diesjährigen Bulldogtreffen in Kleinschulzendorf (ehemals Lanzfreunde Preußen), ermöglichte einen Besuch im ehemaligen IFA Fahrzeugwerk in Ludwigsfelde. Dort hat sich ein Verein von 70 Mann zusammengefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Industriegeschichte der Stadt Ludwigsfelde aufzuarbeiten. Finanzielle Unterstützung erhalten sie vom heutigen Besitzer Mercedes-Benz.

In einer sehr unscheinbaren Halle steht fast vergessene Fahrzeuggeschichte und wartet zum Teil noch auf die Restaurierung, andere Fahrzeuge sind schon wieder in den originalen Auslieferungszustand zurückverwandelt wurden.
Ich möchte hier aber nur auf die Entwicklung des L60 eingehen, da alles andere viel zu weit führen würde. Am Schluß werde ich noch ein paar Fotos vom allerersten in Ludwigsfelde gefertigten W 50 einstellen.

Also los geht es: Bereits in den 1960´iger Jahren hatte man Überlegungen parallel zum W50 einen leistungsstärkeren LKW anzubieten. Der H6 war in seiner Form veraltet und der Trend ging weg vom Hauber zum Frontlenker. So wurde ein LKW mit 5,2t Nutzlast und 150PS starkem 6 Zylindermotor entwickelt (Bezeichnung NKW 515). Bei diesem Fahrzeug wurde eine Fahrgastzelle konzepiert, die völlig frei vom Fahrwerk war. Das heist, sie war nur vorn am Rahmen mit 2 Kipppunkten befestigt. So konnte sie leicht nach vorn geklappt werden und der schräg eingebaute Motor sowie Kupplung waren frei zugängig (wie heute an fast allen modernen LKW). Im Fahrerhaus selbst gab es keine große Erhöhung durch den Motor, so hatte man großzügigen Platz, die Kupplung wurde über Luftventile gesteuert, so daß es kein Kupplungspedal gab, sondern nur ein kleines Fußventil!!.
Leider wurde durch die "Oberen" der Geldhahn für dieses Projekt zugedreht und es verschwand in der Versenkung.

Doch man konstruierte weiter und so entstand in Zusammenarbeit mit Volvo ein 6x6 Allradfahrzeug mit 6 Zylindermotor. Dieses wurde bim Militär erprobt. Es hatte 3 unabhängig voneinander zuschaltbare Achsen und war sehr geländegängig, leider war auch bei diesem Projekt der Rotstift schneller und es blieb bei nur einem Prototyp.

Doch man hat sich nicht entmutigt gefühlt und konstruierte weiter, bis 1977 nach 4 jähriger Tüftelei ein Fahrzeug Namens L 60 auf dem Hof stand. Alle Kinderkrankheiten waren ausgemerzt, so daß einer Serienproduktion nichts mehr im Wege stand, doch kurz davor wurde vom Ministerrat das Aus für den Serienstart besiegelt. Begründung: zu teuer!!

So verschwand der getestete Prototyp in einer Scheune in Ludwigsfelde und geriet immer mehr in Vergessenheit, auch als in den 1980 Jahren der nun weiterentwickelte und uns heute bekannte L60 endlich gebaut wurde.

Nun müßen wir einen großen Sprung von 30 Jahren machen, denn im Jahr 2008, Deutschland war inzwischen wiedervereint, kam eine Information aus dem entfernten Moskau an die Ludwigsfelder: "Hier steht ein IFA L60 mit Baujahr 1977 bei einem Händler - habt ihr daran Interesse" . Schnell wurden Bilder ausgetauscht und man flog nach Russland und mußte zum großen Erstaunen aller feststellen, daß es sich wirklich um den vor vielen Jahren abgestellten Prototypen handelt. Nun kamen viele Leute ins grübelen, wie geht das?? Die wahrscheinlichste Geschichte ist wohl folgende: Der Bauer, dem die Unterstellhalle gehörte hat das Fahrzeug den 1992 abzieheneden "russischen Garnisionsfreunden" verkauft oder so mitgegeben. Jedenfalls ist dieses Fahrzeug in dieser Zeit nach Kasachstan gekommen, wo es in der Folge ca. 300 000 Km!! abgespult hat (alles mit dem Originalmotor). Von dort aus hat es dann ein Baumaschinenhändler aufgekauft.
Nach viel Papierkram und etwas "Schmiergeld" konnte es dann 2008 wieder in seine Geburtsstadt heimgeholt werden.
Hier kümmerten sich ca. 30 Vereismitglieder sehr liebevoll um die Restaurierung des Fahrzeuges und so entsteht dieses Fahrzeug nach über 35 Jahren noch einmal neu.
Und Ihr könnt mir glauben, es ist schöner wie neu und es sind Vollprofis mir goldenen Händen, die in ihrer Freizeit an diesem LKW "mitwerkeln".

So nun will ich Euch auch ein paar Bilder zeigen, zuerst aber der schon erwähnte Prototyp aus dem Jahr 1965, wie er heute noch auf seine Restaurierung wartet:











Und nun der noch unter einer Plane im Freien stehende 6x6 IFA/Volvo








So und nun der Prototyp L60 wie er 1977 bereits die Serienreife hatte:





und nach einem harten Arbeitsleben wieder an seiner Geburtsstätte angekommen:







und wie er heute schon fast fertig da steht:











Wünschen wir den Vereinsfreunden ein gutes Gelingen und das sie ihren L60 - "ihr Baby"- recht bald in fahrtüchtigen Zustand der Öffentlichkeit presentieren können.

So da swars vorerst, die versprochenen W 50 Bilder stelle ich unter der Rubrik Bilder ein, um nicht von Jan gerügt zu werden.

MfG Jens
 
Sehr schöner Aufbau , hoffentlich machen die Jungs weiter so !!!!!!!!! ..... Aber dis Fahrerhaus is die hässlichste LKW Front die ich bis gerade ebend gesehen hab ! Oder ?
 
Ich bin seit Jahren ein begeisterter L60-Fan. Auf meinen "Dicken" laß ich nichts kommen, aber mit dem Fahrerhaus wäre ein L60 nie in Frage gekommen.
 
Er hat schon eine sehr eigenwillige Form, aber das war wahrscheinlich in den 70ern so der neuste Schrei.....naja über das aussehen kann man sich streiten, aber von der Technik die man vor 35 Jahren hatte, bin ich immer wieder erstaunt.

mFg axel
 
Hallo zusammen,

ein damaliger Kraftverkehrsbetrieb in meiner Nähe hatte einen Mitarbeiter welcher an der Erprobung des L 60 beteiligt war. Wir haben damals schon das Fahrzeug bewundert. Es hies immer, jetzt kommt der LKW mit dem "Brotbüchsenfahrerhaus". Kann mich noch daran erinnern, dass auf dem Amaturenbrett einige große Prüfmanometer verbaut waren. Selbst habe ich dann einige Jahre einen L 60 mit dem bekannten Fahrerhaus gefahren. Habe ihn ungern hergegeben als dann die "Wende" kam.

MfG. Jürgen E.
 
Hochinteressant!
Hoffentlich werden der Ludwigsfelder und der Zittauer Brotkasten (steht in Dresden, Zwickauer Str. Depot Verkehrsmuseum) mal zusammen präsentiert, das gibt sicher interessante Fotos ... Auch der B1000 Frototyp aus Frankenberg in einem ähnlichen Design würde gut in die Reihe passen ...

VG Gerd
 
Tolle Fahrzeuge die in den 70igern entwickelt wurden ,zum Faherhaus muß ich sagen schaut euch mal die STEYER an die in den 80-90er gebaut wurden fast identisch (Facelift) würde man heute sagen selbst die Achsen sehen gleich aus ,ja die DDR konnte Fahrzeuge entwickeln und war immer mit führend wer das Buch ,,Plaste,Blech und Planwirtschaft ´´ gelesen hat wird so einiges erkennen bereits ab 1970 wurde in Nordhausen am 6-Zylinder mit Elektronischer Einspritzung gearbeitet 1986 wurde sie aus kostengründen eingestellt heute meinen andere
Common-rail erfunden zu haben ,auch die PKW Entwicklung und die Prototypen sind sehr interresant ich glaube der Erfolg mancher Hersteller kam aus Büros der DDR ,
Das haben die Kommunisten (die heute Geschäftsführer,Manager usw.sind und im Osten den Frühkapitalismus 22Jahre aufbauen damals schon für Westgeld verhöckert)
Der Westen kannte unsere Entwicklungen und deshalb mußte schnell alles niedergetreten werden ,sonst hätten ja andere Werke Einbußen gehabt .
Den Standart den der L60 damals hatte von der Technik her als Allradfahrzeug hatte kaum einer
ich bin immer wieder begeistert,wie er sich im Gelände durchkämft da fragen mich die Un....fahrer immer welche Raupe mich da hingeschleppt hat weil andere schon lange nicht mehr weiterkommen es ist kein Fernverkehrsfahrzeug aber im Gelände unschlagbar.
Es ist schon erstaunlich wie lange sich diese Entwicklung gehalten hat und hält
Gruß Steffen
 
mann o mann der hatt doch damals den 2.platz im windkanal belegt. (den 1. hatte ne schrankwand aus hellerau)
mfg
 
Hi der Prototyp war schonmal Thema hier, hat mir google verraten. ;-)

L60 Prototyp

Ist aber nicht so ergiebig.

Irgendwo bei Spiegel oder Stern oder so hatte ich ne Fotoserie gefunden, die mehrere Entwürfe des Designers zeigte die aber alle abgelehnt wurden.

Hab sie wieder gefunden:

L60 Design von Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph

Ich denke hätten die das Führerhaus 1977 in Serie gebaut, wäre es heute so akzeptiert wie das bekannte W50/L60 Führerhaus. Der Mensch ist halt n Gewohnheitstier.

Ich finde das so hässlich auch garnicht. Schöner wäre es noch gewesenohne diesen Vorsatz. Wobei der bei dem Roten auch ok ist.

Gruß Thomas
 
Helm ab Frau Mütze!!! Schön, wie der Ur-L60 wieder aufgebaut wurde!!! Ich finde es klasse aber die Form finde ich auch nicht begeisternd.
Was das interessante daran aber ist... der L60 war 1977 serienreif... und 1987 ist er erst auf der Bühne erschienen... der russische Bruder hat dabei ganze Arbeit geleistet....
ich hab mir das Buch "Plaste, Blech und Planwirtschaft" mal gekauft... das Buch ist der Hammer!!! Was für Entwicklungen es gab und was nie eingeführt wurde... welche Verbesserungen und Meisterwerke der Technik nie ans Licht kamen... :( Traurig!!!!
Die Ingeneure aus Ludwigsfelde haben in den ´70igern schon aus dem W50 einen Common-Rail gemacht - Hammer, oder?? Egal... ich finde es klasse, wie der L60 wieder ist!!! Meine Hochachtung!!!

PS: wen es interessiert der Link zum besagten Buch... erschreckt aber nicht über den Preis!!!

http://www.amazon.de/Plaste-Blech-Planwirtschaft-Geschichte-Automobilbaus/dp/3894792590
 
ehrlich gesagt möchte ich nicht wissen was der öffentlichkeit alles vorenthalten wurde, man nicht weiss oder es nie wissen wird was alles gebaut oder getestet wurde. ich habe mehr als 50 prototypen alleine aus ludwigsfelde gezählt. wer weiss wie viele es wirklich waren.
 
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