dutrajens
LPG-Vorsitzender
- Registr.
- 01. Jan. 1970
- Beiträge
- 499
Hallo,
als erstes weiß ich eigentlich gar nicht recht, wo ich den folgenden Artikel so richtig einstellen soll. In Bilder paßt er eigentlich nicht rein und bei Ausstellungen ist er auch fehl am Platz, also versuche ich es einmal hier im Kaffeklatsch.
Der Besuch auf dem diesjährigen Bulldogtreffen in Kleinschulzendorf (ehemals Lanzfreunde Preußen), ermöglichte einen Besuch im ehemaligen IFA Fahrzeugwerk in Ludwigsfelde. Dort hat sich ein Verein von 70 Mann zusammengefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Industriegeschichte der Stadt Ludwigsfelde aufzuarbeiten. Finanzielle Unterstützung erhalten sie vom heutigen Besitzer Mercedes-Benz.
In einer sehr unscheinbaren Halle steht fast vergessene Fahrzeuggeschichte und wartet zum Teil noch auf die Restaurierung, andere Fahrzeuge sind schon wieder in den originalen Auslieferungszustand zurückverwandelt wurden.
Ich möchte hier aber nur auf die Entwicklung des L60 eingehen, da alles andere viel zu weit führen würde. Am Schluß werde ich noch ein paar Fotos vom allerersten in Ludwigsfelde gefertigten W 50 einstellen.
Also los geht es: Bereits in den 1960´iger Jahren hatte man Überlegungen parallel zum W50 einen leistungsstärkeren LKW anzubieten. Der H6 war in seiner Form veraltet und der Trend ging weg vom Hauber zum Frontlenker. So wurde ein LKW mit 5,2t Nutzlast und 150PS starkem 6 Zylindermotor entwickelt (Bezeichnung NKW 515). Bei diesem Fahrzeug wurde eine Fahrgastzelle konzepiert, die völlig frei vom Fahrwerk war. Das heist, sie war nur vorn am Rahmen mit 2 Kipppunkten befestigt. So konnte sie leicht nach vorn geklappt werden und der schräg eingebaute Motor sowie Kupplung waren frei zugängig (wie heute an fast allen modernen LKW). Im Fahrerhaus selbst gab es keine große Erhöhung durch den Motor, so hatte man großzügigen Platz, die Kupplung wurde über Luftventile gesteuert, so daß es kein Kupplungspedal gab, sondern nur ein kleines Fußventil!!.
Leider wurde durch die "Oberen" der Geldhahn für dieses Projekt zugedreht und es verschwand in der Versenkung.
Doch man konstruierte weiter und so entstand in Zusammenarbeit mit Volvo ein 6x6 Allradfahrzeug mit 6 Zylindermotor. Dieses wurde bim Militär erprobt. Es hatte 3 unabhängig voneinander zuschaltbare Achsen und war sehr geländegängig, leider war auch bei diesem Projekt der Rotstift schneller und es blieb bei nur einem Prototyp.
Doch man hat sich nicht entmutigt gefühlt und konstruierte weiter, bis 1977 nach 4 jähriger Tüftelei ein Fahrzeug Namens L 60 auf dem Hof stand. Alle Kinderkrankheiten waren ausgemerzt, so daß einer Serienproduktion nichts mehr im Wege stand, doch kurz davor wurde vom Ministerrat das Aus für den Serienstart besiegelt. Begründung: zu teuer!!
So verschwand der getestete Prototyp in einer Scheune in Ludwigsfelde und geriet immer mehr in Vergessenheit, auch als in den 1980 Jahren der nun weiterentwickelte und uns heute bekannte L60 endlich gebaut wurde.
Nun müßen wir einen großen Sprung von 30 Jahren machen, denn im Jahr 2008, Deutschland war inzwischen wiedervereint, kam eine Information aus dem entfernten Moskau an die Ludwigsfelder: "Hier steht ein IFA L60 mit Baujahr 1977 bei einem Händler - habt ihr daran Interesse" . Schnell wurden Bilder ausgetauscht und man flog nach Russland und mußte zum großen Erstaunen aller feststellen, daß es sich wirklich um den vor vielen Jahren abgestellten Prototypen handelt. Nun kamen viele Leute ins grübelen, wie geht das?? Die wahrscheinlichste Geschichte ist wohl folgende: Der Bauer, dem die Unterstellhalle gehörte hat das Fahrzeug den 1992 abzieheneden "russischen Garnisionsfreunden" verkauft oder so mitgegeben. Jedenfalls ist dieses Fahrzeug in dieser Zeit nach Kasachstan gekommen, wo es in der Folge ca. 300 000 Km!! abgespult hat (alles mit dem Originalmotor). Von dort aus hat es dann ein Baumaschinenhändler aufgekauft.
Nach viel Papierkram und etwas "Schmiergeld" konnte es dann 2008 wieder in seine Geburtsstadt heimgeholt werden.
Hier kümmerten sich ca. 30 Vereismitglieder sehr liebevoll um die Restaurierung des Fahrzeuges und so entsteht dieses Fahrzeug nach über 35 Jahren noch einmal neu.
Und Ihr könnt mir glauben, es ist schöner wie neu und es sind Vollprofis mir goldenen Händen, die in ihrer Freizeit an diesem LKW "mitwerkeln".
So nun will ich Euch auch ein paar Bilder zeigen, zuerst aber der schon erwähnte Prototyp aus dem Jahr 1965, wie er heute noch auf seine Restaurierung wartet:









Und nun der noch unter einer Plane im Freien stehende 6x6 IFA/Volvo






So und nun der Prototyp L60 wie er 1977 bereits die Serienreife hatte:



und nach einem harten Arbeitsleben wieder an seiner Geburtsstätte angekommen:





und wie er heute schon fast fertig da steht:









Wünschen wir den Vereinsfreunden ein gutes Gelingen und das sie ihren L60 - "ihr Baby"- recht bald in fahrtüchtigen Zustand der Öffentlichkeit presentieren können.
So da swars vorerst, die versprochenen W 50 Bilder stelle ich unter der Rubrik Bilder ein, um nicht von Jan gerügt zu werden.
MfG Jens
als erstes weiß ich eigentlich gar nicht recht, wo ich den folgenden Artikel so richtig einstellen soll. In Bilder paßt er eigentlich nicht rein und bei Ausstellungen ist er auch fehl am Platz, also versuche ich es einmal hier im Kaffeklatsch.
Der Besuch auf dem diesjährigen Bulldogtreffen in Kleinschulzendorf (ehemals Lanzfreunde Preußen), ermöglichte einen Besuch im ehemaligen IFA Fahrzeugwerk in Ludwigsfelde. Dort hat sich ein Verein von 70 Mann zusammengefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Industriegeschichte der Stadt Ludwigsfelde aufzuarbeiten. Finanzielle Unterstützung erhalten sie vom heutigen Besitzer Mercedes-Benz.
In einer sehr unscheinbaren Halle steht fast vergessene Fahrzeuggeschichte und wartet zum Teil noch auf die Restaurierung, andere Fahrzeuge sind schon wieder in den originalen Auslieferungszustand zurückverwandelt wurden.
Ich möchte hier aber nur auf die Entwicklung des L60 eingehen, da alles andere viel zu weit führen würde. Am Schluß werde ich noch ein paar Fotos vom allerersten in Ludwigsfelde gefertigten W 50 einstellen.
Also los geht es: Bereits in den 1960´iger Jahren hatte man Überlegungen parallel zum W50 einen leistungsstärkeren LKW anzubieten. Der H6 war in seiner Form veraltet und der Trend ging weg vom Hauber zum Frontlenker. So wurde ein LKW mit 5,2t Nutzlast und 150PS starkem 6 Zylindermotor entwickelt (Bezeichnung NKW 515). Bei diesem Fahrzeug wurde eine Fahrgastzelle konzepiert, die völlig frei vom Fahrwerk war. Das heist, sie war nur vorn am Rahmen mit 2 Kipppunkten befestigt. So konnte sie leicht nach vorn geklappt werden und der schräg eingebaute Motor sowie Kupplung waren frei zugängig (wie heute an fast allen modernen LKW). Im Fahrerhaus selbst gab es keine große Erhöhung durch den Motor, so hatte man großzügigen Platz, die Kupplung wurde über Luftventile gesteuert, so daß es kein Kupplungspedal gab, sondern nur ein kleines Fußventil!!.
Leider wurde durch die "Oberen" der Geldhahn für dieses Projekt zugedreht und es verschwand in der Versenkung.
Doch man konstruierte weiter und so entstand in Zusammenarbeit mit Volvo ein 6x6 Allradfahrzeug mit 6 Zylindermotor. Dieses wurde bim Militär erprobt. Es hatte 3 unabhängig voneinander zuschaltbare Achsen und war sehr geländegängig, leider war auch bei diesem Projekt der Rotstift schneller und es blieb bei nur einem Prototyp.
Doch man hat sich nicht entmutigt gefühlt und konstruierte weiter, bis 1977 nach 4 jähriger Tüftelei ein Fahrzeug Namens L 60 auf dem Hof stand. Alle Kinderkrankheiten waren ausgemerzt, so daß einer Serienproduktion nichts mehr im Wege stand, doch kurz davor wurde vom Ministerrat das Aus für den Serienstart besiegelt. Begründung: zu teuer!!
So verschwand der getestete Prototyp in einer Scheune in Ludwigsfelde und geriet immer mehr in Vergessenheit, auch als in den 1980 Jahren der nun weiterentwickelte und uns heute bekannte L60 endlich gebaut wurde.
Nun müßen wir einen großen Sprung von 30 Jahren machen, denn im Jahr 2008, Deutschland war inzwischen wiedervereint, kam eine Information aus dem entfernten Moskau an die Ludwigsfelder: "Hier steht ein IFA L60 mit Baujahr 1977 bei einem Händler - habt ihr daran Interesse" . Schnell wurden Bilder ausgetauscht und man flog nach Russland und mußte zum großen Erstaunen aller feststellen, daß es sich wirklich um den vor vielen Jahren abgestellten Prototypen handelt. Nun kamen viele Leute ins grübelen, wie geht das?? Die wahrscheinlichste Geschichte ist wohl folgende: Der Bauer, dem die Unterstellhalle gehörte hat das Fahrzeug den 1992 abzieheneden "russischen Garnisionsfreunden" verkauft oder so mitgegeben. Jedenfalls ist dieses Fahrzeug in dieser Zeit nach Kasachstan gekommen, wo es in der Folge ca. 300 000 Km!! abgespult hat (alles mit dem Originalmotor). Von dort aus hat es dann ein Baumaschinenhändler aufgekauft.
Nach viel Papierkram und etwas "Schmiergeld" konnte es dann 2008 wieder in seine Geburtsstadt heimgeholt werden.
Hier kümmerten sich ca. 30 Vereismitglieder sehr liebevoll um die Restaurierung des Fahrzeuges und so entsteht dieses Fahrzeug nach über 35 Jahren noch einmal neu.
Und Ihr könnt mir glauben, es ist schöner wie neu und es sind Vollprofis mir goldenen Händen, die in ihrer Freizeit an diesem LKW "mitwerkeln".
So nun will ich Euch auch ein paar Bilder zeigen, zuerst aber der schon erwähnte Prototyp aus dem Jahr 1965, wie er heute noch auf seine Restaurierung wartet:









Und nun der noch unter einer Plane im Freien stehende 6x6 IFA/Volvo






So und nun der Prototyp L60 wie er 1977 bereits die Serienreife hatte:



und nach einem harten Arbeitsleben wieder an seiner Geburtsstätte angekommen:





und wie er heute schon fast fertig da steht:









Wünschen wir den Vereinsfreunden ein gutes Gelingen und das sie ihren L60 - "ihr Baby"- recht bald in fahrtüchtigen Zustand der Öffentlichkeit presentieren können.
So da swars vorerst, die versprochenen W 50 Bilder stelle ich unter der Rubrik Bilder ein, um nicht von Jan gerügt zu werden.
MfG Jens