Erwerbsmäßiger Tomatenfreilandanbau in der DDR ( Technik)

*Florian Billig*

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11. Feb. 2017
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Moin, 

Da ich gehört habe dass es in der DDR in Thüringen auf den blanken Feld Tomatenanbau gegeben haben soll wollte ich nun mal fragen wie das denn technisch vonstatten ging komma wie weit der technisierungsstand war und auch gerne Bilder sehen wie das vonstatten ging falls jemand in so einer LPG oder VEG oder ähnlichen gearbeitet hat wo die praktiziert worden ist.
 
kann nur aus eigener Erfahrung sprechen - da war nicht viel mit Technik, alles solide Handarbeit. Das einzige Hilfsmittel, das wir zu Gesicht bekamen, war ein MTS50 mit Heckstapler für die Kisten

Grüße aus Rand-Berlin
Detlef
 
naja ich wollte eigentlich nicht auf die Ernte hinaus sondern mehr

auf Aussaat bis Kultivierung weil so einen halben Hektar Acker oder

zwei oder drei Hektar wirst du doch nicht mit der Hand

Pflanze für Pflanze in die Erde setzen oder wie in so einem Kleingarten

was mich ja am meisten interessiert bei der Thematik ist

wie die das gemacht haben ob das Direktsaat war oder

ob die vorkultivierte Pflanzen genommen haben und

die mit irgendwelcher Pflanztechnik in dem Boden gebracht haben

sprich ähnlich wie bei den Erdbeeren wo die Pflanzen ja dann maschinell

in den Boden gebracht werden mit einer pflanzmaschine
 
Nabend

Sagmal aus welchen Musstopf kommst du denn? Sowie Detlef es schon beschrieben hat wurden die Pflanzen vorgezogen und per Hand in die Erde gepflanzt von vielen fleißigen Frauenhänden gepflegt und geerntet. Studenten und Schüler haben je nach Ferien oder Semester ihr Taschengeld aufgebessert und das auf mehreren Hektas.

gruss Roland 
 
Guten Morgen Zusammen,

Ich denke in der "Mitte" liegt die Wahrheit. Meines Wissens nach wurde hier teilmechanisiert gearbeitet. Sicherlich auch mit Stecklingspflanzmaschinen, die jedoch auch einen gewissen Anteil Handarbeit bedeuteten.

Die Pflege haben unsere Mütter und Großmütter durchgeführt, die bei Wind und Wetter mit der Hacke Hektar für Hektar pflegten und sich Krampfadern und Schwielen an den Händen, holten.

Dazu 2-3 Mannschaftswagen am Vorgewende, um die Pausen abhalten zu können. Zum Teil waren dort, davon überwiegend Frauen, bis zu 30-40 Leute auf dem Acker. bei der Ernte gab es Unterstützung aus dem RGW, in Form einer Tomatenkombine, mit dem Namen SKT-2. Sollte aus der UDSSR stammen... Jedoch war die maschinelle Ernte, mit der damaligen Technik, alles andere als Verlustfrei und schonend für die Tomaten.

Diese Kombine nahm die Kompletten Pflanzen mittels Rodeschare aus dem Boden auf, welche dann mit Krautketten usw. die Tomaten von Erde und Stengeln getrennt haben. natürlich war auch hier Handarbeit, beim Verlesen der Pflanzen auf dem Verleseband, gefragt. Anbei ein altes Bild aus dem Archiv der TU-München:

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Diese Tomaten waren eher Industrietomaten, als servierfertige Tafeltomaten...

Gruß,

Daniel
 
Hallo und Guten Morgen,

Nach anfänglichem Lächeln , finde ich die Fragestellung des DDR-unerfahrenen Users (lt. Profil), nach dem Foto von Daniel höchst interessant  :-) .

Ob es zur Aussaat und Anzucht der Pflanzen Maschinen gab, weiß ich nicht, bezweifel es aber. Die Jungpflanzen sind sehr verletzlich. Sobald der Trieb bricht, kommt es zur Wachstumsverzögerung.

Die Ernte auf dem Bild ist als Ganzpflanzenernte mit anschließender Trennung der Früchte sicher nur für die Industrieware geeignet. Schon an den Pflanzen auf dem Feld ist zu sehen, daß da keine Speiseware gerntet wird. Dementsprechend sehen auch die Pflanzen aus.

Als Anbauer von damals (nur) 300 St. Tomaten zum Verkauf der Früchte, kenne ich nur die mühsame Handarbeit vom Pflanzen, Anbinden und Ausgeizen  ;-) . Je nach Unkrautbesatz wurde der Boden gehackt und bei Bedarf auch am Boden bewässert. Die Ernte erfolgte selektiv von Hand entspr. Reifestatus und Annahmetermin der VEAB / OGS  :-) .

Einmal hat es mir sprichwörtlich die Ernte verhagelt. Ich hatte die Jungpflanzen ausgegeizt und neu angebunden; am Nachmittag kam ein Gewitter mit Hagel. Die Hagelkörner haben die Pflanzen regelrecht aberhalb der Anbindestelle regelrecht geköpft. Der Neuaustrieb hat dan ca. 14 Tage Zeitverzug gekostet, was gleichzeitig einen Preisabfall für die Verkaufsware bedeutete  :( .

Gruß Wolfram
 
Hallo Wolfram,

dann bist Du ja im wahrsten Sinne ein Tomatenspezialist! Das mit den Geiztrieben hatte ich schon fast vergessen. Eine Arbeit!

Ich denke generell sollte man zweierlei Tomaten-Kategorien unterscheiden: 1. Industrietomaten und 2. Speise-/Tafeltomaten. Letztere werden auch heute noch in den europäischen Sonnenstaaten, unter riesigen Gewächshäusern, überwiegend mit Handarbeit kultiviert. 

Italien ist einer der großen europäischen Industrietomatenhersteller. Die Firma Guaresi baut heute noch selbstfahrende Tomatenernter (siehe Link unten).

Anbei noch ein Bild vom SKT-2 Ernter und mögliche Pflanztechnik-Kandidaten, welche eventuell damals in den Überbetrieblichen Einrichtungen oder LPG‘s Verwendung fanden:

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Obwohl bei letzterer Maschine, die Reihenabstände nicht passen würden. Aber was nicht passte, wurde sicher passend gemacht. 

Bildquelle TUM.

Gruß,
Daniel

http://guaresi.com/
 
....interessanter Beitrag den Florian da angestoßen hat! Ist doch schön wenn sich Leute - auch wenn nicht in der DDR geboren sind - mit dem Thema auseinander setzen! Da mag vlt manch Frage etwas komisch klingen, aber da sollten wir doch einfach drüber stehen .... ;-)

Danke an die Erklärer hier! 

Viele Grüße Jan
 
Hallo Falk,

die Rentabilität war eh so ein Thema, bei vielen Arbeitsprozessen und Anbauvorgaben, Seitens der SED-Führung...

Grüner Ketchup?! Das wäre doch mal was. Würde gut ins aktuelle Wahlprogramm der Grünen passen: Die Flaschen sind die gleichen, doch was drin steckt, schmeckt den meisten Leuten so gar nicht :-) :-) :-) .

Politik beiseite...

Ich denke das die Tomaten anschließend noch einmal sortiert wurden, so dass wirklich nur die Roten in das Letscho-Glas wanderten. Die Verlustquote und die Effektivität eines solchen Anbauverfahrens, vor allem in den gemäßigten Breiten, ist sicherlich strittig.

Gruß, Daniel
 
Hallo also ich kann mich erinnen das in der Gegend um Werder zu DDR Zeiten massiv Tomaten angebaut wurden diese wurden dann von Studenten und anderen Erntehelfern manuell geerntet und in Container dieselben wie die Schrott Container gesammelt.Wir waren in der Gegend immer zum campen und um Tomaten mussste man sich keine Sorgen machen schnell mal aufs Feld und ein paar geholt ;-) aus den Containern ist schon oft die Soße unten raus gelaufen ging alles in den Ketchup den WERDER KETCHUP gibts ja heute noch kaufe ich nur auch wenn die Tomaten heute sicher woanders her kommen.

Gruß Jürgen
 
Moin,

auch in unserer KAP bzw. LPG wurde in geringen Umfang Tomatenfreilandanbau betrieben. An eine maschinelle Unterstützung kann ich mich nicht erinnern, nur das die LPG-Frauen dort tätig waren.

Auch hier wurden die Tomaten grün geerntet, wohl weil sie nicht reif wurden. Die grünen Tomaten wurden wohl für eine Art Zitrusherstellung verwendet, erzählte man sich bei uns. Ob das der Wahrheit entsprach, kann ich nicht sagen.

Gruss

Rüdiger
 
Guten Morgen,

        ja Rüdiger. An die Geschichte mit der Herstellung von Zitronat aus grünen Tomaten, kann ich mich auch erinnern.

So konnte man Importe durch einheimische Rohstoffe ersetzen; ja man wollte auch Rüben zu Ananas verwandeln  ;-) .

Dazu gab es sogar Patente (Link).

        Und Jürgen erinnert mich an eine andere heimische Verwertung von Tomaten.

Nach meiner Erinnerung war der Ketchup-Verbrauch damals wesentlich geringer als Heute  ;-) ; Gehörte Ketchup doch zur "Bück-Tisch-Ware"  :(

  Und was sollte ich mit den Tomaten machen, die nach dem Pflücken wegen Untermaß oder Beschädigungen nicht verkauft werden konnten?

Es wurde in der heimischen Küche Ketchup gekocht. In der größten vorhandenen Bratpfanne, wegen der großen Oberfläche, wurden die geviertelten Tomate unter Zugabe von Zucker, Salz, Essig, Peffer, Zwiebeln, Lorbeerblatt, Nelken, Zimt usw. je nach Rezept aufgekocht und unter ständigem Rühren! eingedickt  ;-) . Besonders zum Ende hin bestand die Gefahr, daß eine ganz neue, ungewünschte Geschmacksrichtung, entstand  :( .

Anschließend wurde der Brei durch ein Sieb gestrichen, um Schalen, Kerne und Gewürtzreste zu Trennen.

Abgefüllt wurde dann in kleine Gläser mit Gummiring und Deckel; nach kurzem Erhitzen, war das Ketchup "unbegrenzt" haltbar :-) .

Mit solch einer Aktion, einschließlich Reinigung und Aufräumen, konnte man schon einen 1/2 Tag zubringen.

Gruß Wolfram 

https://www.welt.de/print-welt/arti...-Tomaten-hat-die-Einheit-nicht-ueberlebt.html
 
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