Hallo,
ich möchte mich mal zu diesem Thema äußern, da ich sehr landwirtschaftlich verwurtzelt bin und aus der guten "Lommatzscher Pflege"komme. Für alle die diesen Landstrich nicht kennen, er liegt im Dreieck zwischen Meißen-Döbeln-Nossen und hat bis zu 98 Bodenwertzahlen vorzuweissen(stellenweise sogar 100!!!). Früher sagte man auch die Kornkammer Sachsens. Die reichsten und größten Bauernfamilien ließen sich einst hier nieder und mehrten über Jahrhunderte die Erträge vorallem an Getreide, Rüben und Mais. Durch die hüglige Lößlehm Landschaft eignete sich die Gegend auch hervorragend zur Nutztierhaltung. So wurden unzugängliche Ländereien zur Waidewirtschaft genutzt für Kühe und Schafe. Der durch die Viehzucht anfallende Mist wurde als Dünger wieder dem Acker zugeführt und so wurde über die Jahrhunderte immer mit der Natur im Einklang gewirtschaftet.
Auch in der DDR wurde dieses Prinzip beibehalten, nur hat man damals die Feldflächen vergrößert und hat die Viehzucht in Großviehanlagen um ein vieles vergrößert. Trotz alledem arbeiteten Vieh- und Pflanzenzuchtbetriebe Hand in Hand zusammen. Die LPG (Pflanze) lieferte die jeweiligen Futtermengen an die LPG (Viehzucht). Die Ackerböden wurden durch den jährlichen Wechsel der jeweiligen angebauten kulturen immer wieder aufgefrischt. So wechselte immer Getreide, Zuckerrüben, Futterpflanzen wie Klee,Luzerne, Gemenge usw. und Kartoffeln den Anbauplan.
Natürlich wurde auch gedüngt und gespritzt, ohne dem ging und geht es auch heute nicht. Aber was ich eigentlich sagen möchte ist: Landwirtschaft funktioniert nur im Einklang Ackerbau und Viehzucht. Alles andere ist Raubau an der Natur und an den Böden. Leider ist in meiner Gegend nach der Wende fast nichts mehr so geblieben wie es war. Fast über Nacht haben sich Geldreiche "Westbauern" auf unsere Böden gestürzt und den Eigentümern für meist Pinats den über jahrhunderte in familienbesitz gewesenen Ackerboden abgeschwatzt. Diese sogenannten Bauern (meist aus Schwaben) haben den guten Lommatzscher Boden der über Jahrtausende gewachsen ist bis heute fast niedergewirtschaftet. Warum? Viehzucht ist diesen Leuten völlig fremd, die macht ja auch viel zu viel Arbeit, und auf den Äckern wird nur das angebaut was Profit bringt, Öko-Mais, Getreide, Zuckerrüben. Ein wirtsc haften im Einklang mit der Natur giebt es schon lange nicht mehr. Und zum Thema Spritzen- gespritzt wird fast das ganze Jahr mit allem was der Markt bietet und was man ausbringen kann. Es interressiert keinen Bauern mehr ob die Bienen, die sowieso schon sehr stark abgenommen haben in den letzten Jahren, auf die blühenden Pflanzen fliegt und dabei auch das Gift aufnimmt und mit in ihren Stock bringt und letztendlich mit im Honig landet. Das ist den heutigen Großbauern egal, heute zählt nur Geld und nicht anderes. Stört ein Baum, der schon Jahrzehnte steht, weil man mit der heutigen Großtechnik nicht vorbeikommt, wird er so gestutzt das er wenige Jahre später eingeht oder er wird kurzerhand gleich umgemacht. So sind in den letzten 20 Jahren jede Menge Feldrainbäume verschwunden und die Errosion hat somit freien Lauf. Von Jahr zu Jahr werdem mehr vom wertvollen Boden abgespüllt und in die Bäche und Flüße getragen die dadurch immermehr verschlammen. Der einfache Bauer von einst hat sich noch die Arbeit gemacht und hat in harter Handarbeit den abgeschlämmten Boden wiedert auf den Berg hoch gekarrt und auf dem Feld verteilt. Dies macht heut schon lang keiner mehr.
Wenn hier in den nächsten Jahren kein Umdenken bei den Bauern stattfindet, werden unsere Enkel nur noch aus den Büchern erfahren was Landwirtschaft eigentlich ist.
Ich kann hier nur für mich sprechen, aber was zur Zeit auf den Feldern (hier in Sachsen) abgeht ist Haarestreubend. Wenn die Bauern von einst das sehen würden, sie würden sich im Grabe rumdrehen. Es macht einfach keinen Spaß mehr einer solchen Ackerbaubetreibung zuzusehen.
Letztlich muß ich noch erwähnen das nicht alle Bauern gleich sind, es gibt auch welche die versuchen weiter so zu wirtschaften wie einst, aber leider wird denen das Leben durch Politik und Preiskämpfe immer schwerer gemacht.
MfG Jens