Hallo mtskuenz,
da du den Verkehr erwähnst, muss ich mich nochmal äußern. Vielleicht kann Jan ja für die Diskussion ein eigenes Thema aufmachen.
Es gibt Menschen bei den fällt das Fahren leider nicht in die Arbeitszeit. So einer bin ich und als solcher trifft man im Verkehr unweigerlich auf die, bei denen irgendwie schon der Weg das Ziel ist. Früher bin ich wöchentlich 420 km einfache Strecke gependelt. Jetzt bin ich an einem Unternehmensstandort, der ist 75km einfacher Weg von daheim weg. Vielleicht würde ich auch näher etwas finden, aber nicht zu den Arbeitsbedingungen. Und weisst du was, wenn ich zur Arbeit fahre und zurück, dann fahre ich zügig. Denn ich fahre mindestens 65-70 Minuten für eine Strecke. Heißt, wo es geht, 125 auf dem Tacho. Geht aber fast nie, weil alles voll LKW ist. Mich regen die am meisten auf. Als ich vor 10 Jahren das pendeln anfing, da brauchte ich 4,5 Stunden für eine Strecke. Zum Schluss lief es gut, wenn ich nach 5,5h zu hause war. I.d.R. waren es aber eher 6-6,5h. Da habe ich kein Verständnis für den ungarischen LKW, der den polnischen mit gefühlten 0,02km/h mehr mitten im Berufsverkehr überholen muss und wenn die Schlange dahinter endlich langsam wieder in Gang gekommen ist, dann zieht der nächste Trottel raus. Wenn vor mir auf der BAB ein LKW den Blinker setzt, schalte ich einen Gang runter und fahre daneben, auf Höhe der Zugmaschine drossele ich, damit der hinter mir es auch daneben schafft. Selbst auf meiner Überlandstrecke bringen die Überholmanöver. Der ein fährt 60, der andere 70. Jetzt kommt ein Stück, wo die Strecke gut eingesehen werden kann, da zieht der raus, schafft es gerade so vorm Gegenverkehr wieder rein und das Pulk Autos kann weiter hinter dem hereiern der 60 fährt. Da beisst du ins Lenkrad. Der Grund für das Theater ist, dass der Verkehr v.a. der Güterverkehr sich die letzten 10 Jahre um den Faktor 1,6 verstärkt hat. Ich gucke gerade, dass ich auf eine Stelle versetzt werde, auf der ich die Arbeitszeit so organisieren kann, dass ich mit dem Zug zur Abreit fahren kann. Das dauert zwar noch länger und wirklich günstiger kommt es mir auch nicht vor, aber vom Autofahren habe ich die Nase ziemlich voll. Im Zug kann ich wenigstens schlafen oder was lesen. Ich bin die Strecke Nachts schon in 37 Minuten gefahren. Muss ja auch nicht sein, will nur sagen, wenn die Bremsen weg sind, gehts tatsächlich flotter.
Wenn mit irgendwelchen riesigen Triedem-
Anhänger mit Überbreite Grünhäcksel über 50km zu einer Biogasanlage gefahren werden, dann stößt auch mein Verständnis für die "Landwirtschaft" an seine Grenzen. Die Traktoren fahren ja heute auch nicht mehr nur 30 oder vielleicht 40, sondern 50 oder 60 und nach dem Mantra des Höher, Schneller, Weiter hat das Material gleichzeitig Dimensionen erreicht, die es schwer machen überhaupt vorbei schauen zu können, wenn permanent 20 - 30 cm auf der Gegenfahrbahn gefahren werden muss. Bei uns fahren im Sommer immer solche Gespanne aus dem mindestens 30km entfernten Nachbarbundesland durch. Die Strecke führt dabei über eine Landstraße die zwischen unserem Ort und dem Nachbarort über 7km so schmal ist, dass der Zug gerade so selber drauf passt, aber für Gegenverkehr ist da kein Platz mehr und entsprechend ist der Zustand der Strecke. In manchem Kurven sollte man nicht auf den Sommerstreifen kommen, sonst kanns sein, dass die Ölwanne im Asphalt klemmt und das Rad frei hängt. Vor allem mit landwirtschaftlichem Gerät hat man ja auch die Möglichkeit auf Feld- und Landwirtschaftswege auszuweichen. Ich weiß nicht, ob da unbedingt auf der eh schon überlasteten Bundesstraße gefahren werden muss. Klar es spart etwas Zeit, was für Nebenerwerbslandwirte sicher ein Thema ist, aber es kostet vermutlich etwas Nerven. Wie weiter vorn geschrieben, dass beim Arbeiten Dreck entsteht, dafür habe ich volles Verständnis. Die Transportarbeiten die im Rahmen heutiger landwirtschaftlicher Tätigkeit erfolgen, stelle ich zum Teil in Frage.
Ich habe zwischen meinem Wohnort und dem Grundstück, wo ich mit meinem Traktor zu tun habe ca. 10km Distanz und 200 Höhenmeter. Der Traktor fährt maximal 20. Da dreht er aber am Begrenzer. Ich fahre wohl meistens zwischen 15-18 km/h. Das einfachste und schnellste wäre den Autobahnzubringer mit der Serpentinenstrecke zu nehmen. Das versuche ich immer zu vermeiden, aus Sorge vor Unfällen, denn die Serpentinenstrecke ist relativ lang und unübersichtlich. Durch den Wald gibt es bedingt durch die Steilstufe leider nur wenige Wege. Dadurch ergibt sich ein Umweg. Ich fahre trotzdem lieber da, auch wenn es länger dauert und bedingt durch Gefälle in Verbindung mit Laub bei Nässe auf Erdwegen auch gefährlich ist. Am Wochenende wollte ich mit einem vollen Hänger Holz den Berg wieder hoch. Nach mehren vergeblichen Versuchen auf Waldwegen habe ich doch die Straße genommen. Am Ende wurde ich wie erwarte an allen möglichen und unmöglichen Stellen überholt, was mich nicht überraschte, deswegen will ich ja nicht die Straße nehmen. Aufregen tat es mich nicht, denn ich weiß, ich hätte es wohl nicht anders gemacht, vielleicht hätte ich mich zusammen gerissen, weil Sonnabend war und mich da Abends in der Regel nichts mehr zur Eile treibt. Hab das Erlebnis noch erzählt, weil es zum Thema Verkehr passt. Ich empfinde mich mit meinem Traktor tatsächlich als Verkehrsbehinderung, die auf einer stark befahrenen Straße möglichst nichts zu suchen hat. In dem Fall ging es nicht anders.
Letzten Endes ist die Verkehrssituation meiner Meinung nach ein weiteres Symptom einer Wirtschaft die ihre Grenzen erreicht hat. Auch wenn man das ganze Land asphaltieren würde, es wird immer wieder den Moment geben, an dem es nicht mehr reicht.
Naja viel Text und eigentlich zum Thema Ernte am Thema vorbei, wenn er stört, kann ich ihn auch wieder löschen.
Gruß Thomas